Entscheidungshilfe · Cloud · Eigener Server
Cloud oder eigener Server — die Frage ist falsch gestellt
Die richtige Frage lautet: Welche Anwendung, mit welchen Daten, mit welcher Verfügbarkeit? Für manches ist die Cloud klar besser. Für anderes ist sie es klar nicht.
Der Kern
Es geht nicht um Technik, sondern um drei Abwägungen
Wer die Entscheidung auf „Cloud ist modern“ oder „Daten gehören ins Haus“ verkürzt, trifft sie aus dem Bauch. Diese drei Punkte entscheiden tatsächlich.
Investition gegen laufende Kosten
Ein eigener Server ist eine Anschaffung, die abgeschrieben wird. Cloud ist eine monatliche Rechnung, die nie endet. Über fünf Jahre gerechnet liegen beide oft näher beieinander, als beide Lager behaupten — entscheidend ist, ob Sie Kapital binden wollen oder nicht.
Wer kümmert sich nachts um halb drei?
Das ist der Punkt, der in Angeboten fehlt. Bei einem eigenen Server ist es Ihr Problem — oder das Ihres Dienstleisters, wenn Sie einen Vertrag dafür haben. In der Cloud ist es vertraglich geregelt, dafür geben Sie Kontrolle ab.
Welche Daten liegen wo?
Nicht jede Datei ist gleich heikel. Konstruktionsdaten, Personaldaten und Gesundheitsdaten verlangen andere Überlegungen als der Terminkalender. Die Frage ist nicht ob Cloud, sondern welche Daten in welche Cloud.
Nebeneinander
Was jeweils wirklich anders ist
Ohne Marketing. Die Punkte, an denen sich die beiden Wege tatsächlich unterscheiden.
| Punkt | Eigener Server im Haus | Cloud beim Anbieter |
|---|---|---|
| Kostenverlauf | Große Anschaffung alle fünf bis sieben Jahre, dazu Wartung und Strom | Gleichmäßige Monatsbeträge, die mit der Zahl der Nutzer wachsen |
| Ausfallsicherheit | Hängt an Ihrer Hardware, Ihrer Notstromversorgung und Ihrem Backup | Redundanz ist eingebaut — dafür hängen Sie an Ihrer Internetleitung |
| Updates | Sie entscheiden wann, tragen aber auch die Verantwortung für Sicherheitslücken | Kommen automatisch, teils zu Zeitpunkten, die Ihnen nicht passen |
| Zugriff von außen | Braucht VPN und eine sauber abgesicherte Einwahl | Funktioniert von überall — genau das ist auch das Risiko, wenn Zugänge schlecht gesichert sind |
| Datenschutz | Sie sind Verantwortlicher und haben die volle Kontrolle | Sie brauchen einen Auftragsverarbeitungsvertrag nach Artikel 28 DSGVO und sollten den Serverstandort kennen |
| Anpassbarkeit | Weitgehend frei, auch für Sonderfälle und ältere Software | Im Rahmen dessen, was der Anbieter vorsieht — Sonderwege sind selten möglich |
| Ausstieg | Sie behalten die Maschine und die Daten | Hängt am Vertrag: Klären Sie vorher, in welchem Format Sie Ihre Daten zurückbekommen |
Klartext
Wann wir wozu raten
Das sind keine Regeln, sondern Erfahrungswerte aus Projekten im Mittelstand.
Wir haben keine verlässliche Internetleitung.
Ein Betrieb im Gewerbegebiet mit 50 MBit und regelmäßigen Ausfällen. Wenn die Leitung weg ist, steht in der Cloud die gesamte Arbeit — auch in der Produktion.
So lösen wir das: Dann gehören die Systeme, die den Betrieb am Laufen halten, ins Haus. Cloud ist gut für das, was ein paar Stunden Ausfall verträgt, nicht für die Auftragsabwicklung an einer Maschine.Wir haben niemanden, der sich kümmert.
Der Server steht im Technikraum, die Backups laufen angeblich, und der Kollege, der sich auskannte, ist seit zwei Jahren in Rente. Sicherheitsupdates werden gemacht, wenn jemand daran denkt.
So lösen wir das: Dann ist Cloud fast immer die bessere Wahl. Ein unpflegter eigener Server ist das größere Risiko — die meisten Verschlüsselungsangriffe treffen genau solche Systeme.Wir arbeiten an mehreren Standorten.
Drei Niederlassungen, jede mit eigenem Server, und die Daten werden nachts hin- und hergeschoben. Wer wo den aktuellen Stand hat, weiß niemand sicher.
So lösen wir das: Das ist der klassische Fall für zentrale Systeme. Ob die im Rechenzentrum eines Anbieters oder in einem gemieteten Rack stehen, ist zweitrangig — entscheidend ist: an einer Stelle.Unsere Branchensoftware läuft nur lokal.
Eine ältere Fachanwendung, ohne die nichts geht, und der Hersteller bietet keine Cloud-Variante.
So lösen wir das: Dann bleibt sie, wo sie ist. Ein Mischbetrieb ist völlig normal: das Alte läuft weiter im Haus, Neues kommt aus der Cloud. Wichtig ist nur, dass beides sauber zusammenarbeitet.Beim Datenschutz
Was Sie vertraglich prüfen sollten
Cloud ist datenschutzrechtlich zulässig — aber nicht automatisch. Diese Punkte gehören geklärt, bevor unterschrieben wird.
Auftragsverarbeitungsvertrag
Nach Artikel 28 DSGVO zwingend, sobald ein Anbieter personenbezogene Daten für Sie verarbeitet. Ohne diesen Vertrag ist die Nutzung nicht rechtmäßig — unabhängig davon, wie gut der Dienst ist.
Serverstandort und Unterauftragnehmer
Nicht nur, wo der Hauptserver steht, sondern auch, wen der Anbieter seinerseits einsetzt. Bei Anbietern aus Drittländern brauchen Sie eine tragfähige Grundlage für die Übermittlung.
Nachweise statt Versprechen
Ein Zertifikat nach ISO 27001 oder ein Testat nach dem BSI-Kriterienkatalog C5 sagt mehr als jede Formulierung im Prospekt. Lassen Sie sich das aktuelle Dokument zeigen, nicht nur ein Logo.
Löschung und Rückgabe
Was passiert mit Ihren Daten, wenn der Vertrag endet? In welchem Format bekommen Sie sie zurück, wie lange haben Sie Zugriff, und wann wird tatsächlich gelöscht?
Ein Irrtum, der teuer wird
Cloud heißt nicht, dass jemand Ihre Daten sichert
Viele Anbieter sichern ihre eigene Infrastruktur — nicht Ihre Inhalte. Wenn jemand bei Ihnen aus Versehen einen Ordner löscht oder ein Verschlüsselungsangriff über ein Benutzerkonto läuft, hilft die Redundanz des Rechenzentrums nicht. Prüfen Sie für jeden Cloud-Dienst, wie weit Sie zurück wiederherstellen können und ob Sie eine eigene Sicherung brauchen. Bei den gängigen Büro-Diensten brauchen Sie sie in der Regel.
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AnsehenHäufige Fragen
Was uns am häufigsten gefragt wird
Ist die Cloud sicherer als ein eigener Server?
Meistens ja — aber nicht aus dem Grund, den man vermutet. Große Rechenzentren haben mehr Fachleute für Sicherheit, als ein Mittelständler bezahlen kann, und Updates laufen zuverlässig. Der häufigste Schaden entsteht aber nicht im Rechenzentrum, sondern über ein schlecht gesichertes Benutzerkonto. Ohne Mehr-Faktor-Anmeldung ist auch die beste Cloud ein offenes Scheunentor.
Was kostet das über fünf Jahre?
Rechnen Sie beides ehrlich: Beim eigenen Server gehören Anschaffung, Betriebssystem- und Datenbanklizenzen, Wartungsvertrag, Strom, Klimatisierung, Backup-Medien und die Arbeitszeit für die Pflege dazu — und die Ersatzbeschaffung nach fünf bis sieben Jahren. Bei der Cloud die Monatsgebühr über 60 Monate, mit einkalkulierter Preiserhöhung, plus Anbindung und Datensicherung. Wer nur Kaufpreis gegen Monatsgebühr stellt, vergleicht zwei verschiedene Dinge.
Können wir beides haben?
Ja, und das ist in der Praxis der Normalfall. Fachanwendungen und Maschinenanbindung bleiben im Haus, Büro, E-Mail, Dokumentenablage und Zusammenarbeit laufen in der Cloud. Wichtig ist eine klare Linie: welche Daten liegen wo, wer synchronisiert was, und wo ist die führende Quelle. Ohne diese Linie entsteht ein Flickenteppich, der beides schlechter macht.
Wie lange dauert ein Wechsel in die Cloud?
Das hängt weniger an der Datenmenge als an der Zahl der Schnittstellen. Reine Dokumentenablage für einen Betrieb mit 50 Mitarbeitenden ist in wenigen Wochen erledigt. Sobald eine Warenwirtschaft, ein Kassensystem oder eine Produktionsanbindung hängt, sprechen wir über Monate — und über einen Parallelbetrieb zur Sicherheit.
Was ist mit unserer Internetleitung?
Das ist der am häufigsten unterschätzte Punkt. Vor jedem Cloud-Projekt gehört geprüft: Wie viel Bandbreite steht wirklich zur Verfügung, wie sieht es im Upload aus, und gibt es einen zweiten Weg, wenn die Hauptleitung ausfällt? Eine zweite Leitung über einen anderen Anbieter oder Mobilfunk kostet wenig und rettet den Tag, an dem der Bagger kommt.
Quellen und Stand: BSI — Kriterienkatalog C5 · DSGVO — Artikel 28 Auftragsverarbeiter
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